Wie definiert man Erfolg?
3. Februar 2010Was ist läuferischer Erfolg?
In den letzten Wochen haben mich die vielen Kommentare seit Neustart dieses Blogs immer wieder dazu gebracht, über die vergangenen Jahre nachzudenken. Nicht, dass ich vorhätte mit der Lauferei aufzuhören, nein, in Ermangelung von zukünftigen Zielen (und so blöd es klingt: Marathons sind schöne Gelegenheiten, aber irgendwie fehlt bei manchen Dingen der letzte „Kick“ ), denke ich viel über Erlebtes und Geschafftes nach. Ob das im Alter auch so wird und sich alte Menschen in Ermangelung neuer Abenteuer mehr mit ihrer eigenen (meist kindlichen) Vergangenheit zumeist beschäftigen?
Okay, das führt zu weit und zurück zum Thema! Wenn ich bedenke, dass mir als Kleinkind keine großen sportlichen Möglichkeiten zugetraut wurden, habe ich doch ganz gut geschafft mich zu entwickeln. Ziemlich talentfrei habe ich dem Fußballsport viel Zeit geopfert und das mangelnde Talent durch viel Arbeit und Ehrgeiz wettgemacht. Ich hab da recht viel erreicht, wenn ich auch zugeben muss, dass sich dadurch meine Jugend recht einseitig dargestellt hat – Schule, Hausaufgaben (und die meist recht kurz
), Sportplatz (ob Leichtathletik oder Fußball ist ja wurscht gewesen). Vermisst habe ich da kaum was.
Obwohl…naja, Fußball gilt als Mannschaftssport, aber ich war Torwart und in den vielen Klassen, in denen ich aktiv gespielt habe, war es immer gleich: der Torwart ist ein Individualsportler. Er muss eigentlich mehr trainieren als die anderen, er ist meistens immer das schuld, was Vorderleute schon verbockt haben. Ein Scheißjob, aber ich liebte ihn… Nachdem ich aber im Seniorenbereich merkte, dass ich mich für eine zweitklassige Amateurlaufbahn in irgendwelchen unteren Ligen motivieren kann, blieb der Individualsport – das Laufen! Relativ preiswert, immer durchzuführen und als Jugendlicher war ich eh schon diverse Male erfolgreich auf der Mittelstrecke unterwegs gewesen.
Aber was genau ist läuferischer Erfolg?
Ich bin recht früh zum Marathonlaufen gekommen und die kürzeren Distanzen haben mich nicht mehr interessiert. Ohne großes Training konnte ich mit 15/16 locker um die 19:30Minuten laufen und die 1.000m-Zeit von 2:50 Minuten ist auch nicht so schlecht gewesen, aber wieder so kurz zu kloppen fand ich doof. Aber im Langdistanzbereich war kein Blumentopf zu gewinnen. Ich gewann nur an schmerzlicher Erfahrung. Im vierten Marathon konnte ich das erste Mal von einem läuferischen Erfolg sprechen – kein Krampf, weniger Schmerzen und endlich an die 4h rangelaufen. Und kein Zusammenbruch im Bad nach dem Lauf wie nach dem dritten Marathon.
Seither probiere ich mich an diversen Ultras, Marathons, Abenteuerrennen und auch Triathlon hat mich bereits begeistert. Aber gewonnen hab ich bisher kaum was – einen zweiten Platz in einer Triathlonstaffel, aber da auch Einzelstarter schneller als wir gemeinsam waren, ist das auch nicht so viel wert… Aber ich fühle mich dennoch erfolgreich, denn ich habe sehr wenige Verletzungen gehabt (auch wenn es durch die vielen zeitnahen Berichte immer anders klingt – da schreibt man ja über jedes ungewöhnliche Jucken irgendwo), viel Spaß erlebt, der den Ärger, den man natürlich zwischendurch auch hatte, vergessen ließ.
Ich habe ne Menge sehen dürfen und unvergessliche Momente erlebt wie die Mallorca-Marathons, die Nacht der Nächte in Biel, Medoc, das Tough Guy Race in England, den K78 in Davos, die Triathlonlangdistanz in Roth, den Transalpine-Run undundund.
Unzählige Trainingskilometer, die mir viel Freude bereitet haben und manche, an die ich mich schmerzlich erinnere. Wenn man sich bei einem langen Lauf derart im Wald verzettelt, dass man anstatt knapper 30km und etwass um die 3h 6 Stunden umherläuft, im Sommer mit nur 500ml zu trinken und keinen Handyempfang hat, ist das schon kurios…ich bin immer noch platt, wenn ich mich daran erinnere als ich mit einer frischen Flasche Iso auf unserem Küchenboden sitze, angelehnt an den Spülschrank!
Kurzum: ich denke, dass Erfolg sich nicht mit Pokalen, Urkunden, Medaillen beziffern lässt. Diese Dinge sind Zuckerlis, die man obendrauf bekommt (und wenn man die dauerhaft bekommt, macht es vielen ohne nicht mehr so viel Spaß – aber vielleicht ist das auch weil mein letzter gewonnener Lauf von 1992 oder 1993 stammt
) Kurzum: dieser Beitrag soll ein Aufruf sein, dass alle Läufer Spaß bei der Sache haben sollten und jeder nur für sich definieren kann, ob er erfolgreich ist, also ob sich alle Mühen lohnen.


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